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Das Energielabel – gut zu wissen!

Bereits seit den 90er Jahren informiert das europäische Energielabel mit den bekannten farbigen Balken von grün bis rot Verbraucher über den Energieverbrauch von Elektrogroßgeräten. Bekanntheit und Einfluss sind hoch: 95 Prozent der Befragten kennen das Energielabel und bei 84 Prozent beeinflusst es die Kaufentscheidung*.

* „Umweltbewusstsein in Deutschland 2014“, repräsentative Bevölkerungsumfrage, herausgegeben von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt.

20 Jahre Energielabel

Niedriger Energie- und Wasserverbrauch und gute Gebrauchseigenschaften sind die wichtigsten Kriterien beim Kauf von Hausgeräten. Genau hierüber informiert das europäische Energielabel seit 1996. Verbraucher sollen die sparsamsten Geräte anhand der Einstufung in Energieeffizienzklassen auf einen Blick erkennen und Geräte einfach vergleichen können. Die Klassen-Einstufung wird ausgedrückt durch Buchstaben und optisch verstärkt durch farbige Balken von grün bis rot.

Doch welche Geräte im Privathaushalt tragen überhaupt ein Energielabel und was ist die beste Energieeffizienzklasse? Die Vielfalt ist groß: Die ursprünglichen Klassen A bis G tragen nur noch Waschtrockner. Viele Geräte sind aufgrund des technischen Fortschrittes mit sogenannten „Plusklassen“ gekennzeichnet: A+++ ist z. B. die beste Klasse bei Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Backöfen. Aber auch viele neue Produktgruppen sind dazu gekommen: Nicht mehr nur Elektro-Haushaltsgeräte sondern auch Gas-Backöfen, Raumheizgeräte und Festbrennstoffkessel (z. B. für Holz) müssen mit einem Energielabel gekennzeichnet werden. Weitere könnten in den nächsten Jahren folgen.

Nicht alle Klassen verfügbar!

Allerdings ist die Bandbreite der auf dem Energielabel angezeigten Klassen mitnichten auch im Handel verfügbar ist. Bei Kühl- und Gefriergeräten, Waschvollautomaten und Geschirrspülern dürfen nur noch die drei besten Klassen A+, A++ und A+++ neu in den Handel gebracht werden. Die Klassen A bis D erfüllen die Mindestanforderungen für Energieeffizienz der europäischen Ökodesign-Verordnungen nicht mehr. A+ ist hier nicht die drittbeste Energieeffizienzklasse, sondern die schlechteste, die noch verkauft werden darf und A++ nur Mittelmaß.

Welche Infos gibt das Energielabel?

  • Alle Energielabel haben ein grundsätzlich ähnliches Aussehen mit farbigen Balken von dunkelgrün (hohe Effizienz) bis rot (niedrige Effizienz), das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.
  • Meist sind sieben Energieeffizienzklassen möglich. Es können aber bis zu zehn sein, von A+++ bis G.
  • Umweltrelevante Daten wie z. B. Stromund Wasserverbrauch.
  • Gebrauchseigenschaften wie z. B. Nutzinhalt, Fassungsvermögen, Schleuderwirkung.
  • Sofern das Geräusch für eine Produktgruppe ein wichtiges Merkmal ist, ist die Angabe auf dem Label verbindlich.
  • Das Label enthält überwiegend Piktogramme und ist somit sprachneutral.
  • Bezeichnung der Regulierung (ganz unten links auf dem Energielabel).

Achtung

Bei den angegebenen Verbräuchen handelt es sich um Werte, die unter Laborbedingungen und in dem jeweilig spezifischen „Standardprogramm” gemessen wurden, um nachprüfbare Ergebnisse zu erzielen. Die tatsächlich entstehenden Verbrauchswerte im privaten Haushalt können nach oben oder unten abweichen. Sie sind u. a. abhängig von der Nutzung und den Aufstellbedingungen im Haushalt.

Wie kommt der Energieverbrauch zustande?

Um die Verbrauchswerte europaweit vergleichbar zu machen hat die Europäische Union für jedes Energielabel festgelegt, wie und was gemessen werden muss.

Standardprogramme und die dazugehörigen Messverfahren sind in europäischen Normen genau beschrieben. Diese Verbrauchswerte müssen möglichst praxisnah sein aber gleichzeitig nachprüfbar für die Marktüberwachung und vom Aufwand und damit von den Kosten her vertretbar bleiben.

Da die Geräte individuell sehr unterschiedlich genutzt werden, ist es bei manchen Geräten eine große Herausforderung, eine „Standard“-Nutzung festzulegen. Manche Messverfahren wirken daher völlig praxisfremd: Beispielsweise wird der Energieverbrauch von Backöfen gemessen, indem ein nasser, genormter Ziegelstein erhitzt wird.

Doch Tests hatten ergeben, dass sich mit Speisen keine nachprüfbaren Ergebnisse erzielen lassen, zu groß sind die Unterschiede von Zutaten, Zubereitung, usw.

Einfacher ist es beim Geschirrspüler: Hier wird ein Jahres-Energieverbrauch angegeben. Dieser umfasst 280 Standardspülgänge. Dabei ist das Standardprogramm das effizienteste Programm, um normal verschmutztes Geschirr zu reinigen, die Reinigungstemperatur ist nicht vorgegeben.

Für alle Geräte gilt: Der persönliche Energie- und auch Wasserverbrauch kann stark von der Angabe auf dem Energielabel abweichen, je nachdem wie oft sie tatsächlich benutzt und welche Programme verwendet werden. Trotzdem sind die Geräte anhand des Energielabels untereinander vergleichbar, da sie alle mit der gleichen Testmethode gemessen wurden.

Wie erfolgt die Einstufung in eine Energieeffizienzklasse?

Für die Einstufung wird häufig ein sogenannter Energieeffizienzindex berechnet. In die Berechnung geht der Energieverbrauch ein aber je nach Gerätegruppe auch die Größe oder Füllmenge und der Standby-Verbrauch. Sogar Gebrauchseigenschaften werden teilweise berücksichtigt. Ein Beispiel: Kaltlagerfächer bei Kühl- und Gefriergeräten benötigen etwas mehr Energie, erhöhen aber die Lagerdauer von Lebensmitteln, daher bekommen sie bei der Einstufung einen Bonus.

Wo finde ich das Energielabel?

Europaweit müssen alle Geräte, die unter die Labelpflicht fallen und neu in den Verkehr gebracht werden mit dem Energielabel gekennzeichnet werden. „Neu in den Verkehr bringen“ meint hier, Neugeräte im Geschäft oder Online zu verkaufen oder auch zu vermieten. Die Kennzeichnungspflicht gilt somit nicht für Gebrauchtgeräte.

Kunden sollen das Energielabel vor dem Kauf wahrnehmen, daher müssen Händler:

  • Ausgedruckte Label an den Geräten im Verkaufsraum gut sichtbar und lesbar anbringen.
  • Auch im Online-Shop muss bei jedem Gerät das ganze Label in der Nähe des Preises abrufbar sein.

Bei jeder Werbung, die den Energieverbrauch oder Preis eines bestimmten Gerätemodells angibt, muss die Energieeffizienzklasse des Produktes deutlich erkennbar sein. Zusätzlich muss die Bandbreite der möglichen Energieeffizienzklassen laut Energielabel angegeben sein.

Die gleichen Bestimmungen gelten in sämtlichen technischen Werbeschriften wie beispielsweise in technischen Handbüchern oder in Broschüren der Hersteller, die entweder gedruckt vorliegen oder online verfügbar sind.

Anpassungen an den technischen Fortschritt

Bei manchen Gerätegruppen sind stufenweise Verschärfungen aufgrund des erwartbaren technischen Fortschritts vorgesehen. So kam z. B. bei Klimaanlagen ab 2019 A+++ als neue beste Klasse dazu, dafür fällt die bislang schlechteste Klasse E weg. Das gleiche gilt für Dunstabzugshauben und Fernseher ab 2020.

Frühestens Anfang 2021 verschwinden stufenweise die „Plus“-Klassen

2017 hat die Europäische Union beschlossen, dass das Energielabel modernisiert wird. Die auffälligste Änderung wird dabei die Rückkehr zur einheitlichen Energieverbrauchsskala mit den Klassen A bis G. Grundsätzlich soll das Erscheinungsbild mit der siebenstufigen Farbskala von Rot bis Grün aber erhalten bleiben. Alle bestehenden Label werden nach und nach umgestellt.

Besonders schnell gehen soll es bei Kühl- und Gefriergeräten, Geschirrspülern, Waschmaschinen, Fernsehern und elektrischen Lampen und Leuchten. Die ersten Geräte mit dem Label A bis G werden frühestens Anfang 2021 im Handel sein.

Übrigens ...

Der Handel darf Geräte ohne Zeitbeschränkung abverkaufen, die er noch mit „altem“ Label im Verkaufsraum oder Lager stehen hat, er muss nicht umetikettieren.